Artist Statement

Das programmatisch zu verstehende Gemälde FINGER.FERTIG. in der Kopfzeile meiner Homepage ist ein malerisch formulierter Wunsch: So lässig, so selbstverständlich wäre ich gerne als Künstlerin! Ein Selbstbildnis mit Augenwischerei …?

Zerrissenheit war es eher, die mich über Jahrzehnte geprägt hat: Soll ich, darf ich, kann ich KUNST?? Auch wenn für mich seit meinem 16. Lebensjahr eigentlich nichts anderes in Frage kam, hat es doch lange gedauert, bis ich mich traute, mich selbst »Künstlerin« zu nennen; da hatte ich Lehre und Studium längst hinter mir. So dominant erschienen mir die Anforderungen meines Alltags mit Beruf, Kindern, vielfältigen Aufgaben in gemeinnützigen Organisationen und in der Großfamilie, dass ich selbst meine künstlerischen Impulse geringschätzte, stets in die zweite Reihe drängte und gleichzeitig elend darunter litt, ihnen nicht nachgeben zu können. Die Entstehung einer Bildserie wie die ALTERNATIVE ZUM GESCHIRRSPÜLEN erklärt sich hier nahezu von selbst.

Mit Wandlung meiner
Lebenssituation kam die Kunst von ganz alleine und mit aller Macht … zurück kann man nicht sagen, denn sie war nie wirklich fort! Auch wenn ich vornehmlich im angewandten Bereich der Grafik gearbeitet habe, die für die große Kunst ja als derartig vergiftend eingestuft wird, dass man ein dortiges Tätigsein eigentlich gar nicht zugeben darf – es gab in meinem Werk über all die Jahre immer auch die Parallelwelt der freien, frechen und aussagekräftigen Kunst. Ich möchte endgültig weg von der Komfortzone der gefälligen Arbeiten im Kundenauftrag hin zu den Werken, die nicht nur mir etwas zu sagen haben.

Kunst ist für mich persönlich über-lebenswichtiger Ausdruck der enorm starken Eindrücke, denen meine Wahrnehmung mich von Kindesbeinen an unterworfen hat. Stets fühlte ich: Nicht ich schaue die Dinge, sondern die Dinge schauen mich an. Immer wieder machte ich die Erfahrung, mehr zu sehen als andere und mich darüber wundern zu müssen, dass meine Sicht erklärungsbedürftig schien. Ich kann das Leben schlicht nicht aushalten, wenn alles in meinem Kopf bleibt; und die Kunst hilft mir, zu kanalisieren und zu fokussieren, was sonst in meinem Hirn beständig kreisen würde.

Auch den Rezipienten will ich mitnehmen, aus seiner Komfortzone der gefälligen Bildbetrachtung holen, und begreife mich als Blick-Lenkerin, Denk-Anstoßerin, Schritt-Bremserin und Fallenstellerin. Dabei bediene ich mich z. T. interaktiver Kunstwerke, die den Betrachter herausfordern, selbst tätig zu werden (KUNSTLICHT, GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG – WIDERLEGUNG EINER THESE EINSTEINS), hauptsächlich aber locke ich das Publikum geradezu ›hinter-hältig‹ mit bestechender Ästhetik, um ihm stante pede vorzuführen, dass das Kunstwerk doch nicht so leicht konsumierbar ist wie gedacht.


Plädoyer für das individuelle Kunstwerk

Mehr denn je ist unsere Gesellschaft von Bildern geprägt. Kommunikation  findet zunehmend auf visueller Ebene statt. Eine wahre Bilderflut überrollt den Menschen … und ich will dieser Masse noch etwas hinzufügen?

Die Antwort ist ein klares Ja, denn ich möchte neue Bilder und Objekte schaffen. Dem ewig-gleichen, zwar hübschen, aber inflationär auftretenden Gemälde aus dem nordischen Möbelhaus oder dem örtlichen Baumarkt möchte ich Individuelles entgegensetzen, Handgemachtes, Sinnliches, Einzigartiges. Ich habe noch nicht einmal etwas gegen den allgegenwärtigen Mohn (wenn er gut gemalt ist …). An den von mir ausgeführten Aufträgen können Sie sehen, dass ich durchaus bereit bin, auch gängige Wünsche zu erfüllen. 
Mehr Spaß habe ich allerdings daran, etwas zu erfinden, das vorher noch nicht da war, der Welt etwas hinzuzufügen: da fängt KUNST an …!

Im Idealfall bleibt der vorübergehende Betrachter vor einer meiner Arbeiten stehen und nimmt davon etwas mit: Eine andere Perspektive, die reine Freude, einen neuen Gedanken, eine eigene Idee - hoffentlich immer Inspiration für das eigene Leben, egal auf welchem Gebiet. Sollte das nicht funktionieren, erhoffe ich mir zumindest eher Irritation und Anregung zum Nachdenken als die Verbreitung von Gleichgültigkeit … Diese künstlerische Position beeinflusst mehr und mehr auch meine angewandte Arbeit, in welcher ich selbst die ungewöhnliche Lösung der populären immer vorziehe.


OHNE TITEL - 10 x 7 cm.
Dieses wunderschöne abstrakte Kunstwerk befindet sich auf der rechten Seite meines Malkittels.