Serie "RETROSPEKTIVE"

Der Serien-Name ruft zunächst die Ursprungsbedeutung des Begriffes wach, der eine Rückschau auf etwas Vergangenes meint - in der bildenden Kunst etwa auf das Werk, die Schaffensperiode eines Künstlers. Die Serie RETROSPEKTIVE aber spielt mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs: dem Blick ›von hinten‹.

Illusionen

Die Bilder der Serie zeigen ausnahmslos Rückseiten von Bildern, also den - im Grunde auch ›rücksichts-losen‹, ungeschminkten - Blick auf den Keilrahmen, die Spannkeile, auf die von der Vorderseite umspannte Leinwand inklusive der dazu benutzten Tackernadeln, auf Hängevorrichtungen und ähnliche Accessoires.


AFRIKANISCHE LANDSCHAFT MIT GIRAFFE
- Ölmalerei auf Baumwolle,
60 x 60 cm, 2014 - € -

Diese sind malerisch so akribisch ausgestaltet, dass der Blick des Betrachters allzu leicht der Illusion erliegt, tatsächlich die Rückseite eines Bildes vor sich zu haben. Folgerichtig wird die spontane Rezeption, der 1. Blick, zunächst ›das Bild‹ vermissen. Und erst allmählich wird bewusst, dass das fehlende, das verschwundene Bild, das Bild ist.

Die Serie konterkariert die konsumtive Erwartungshaltung, dass ein Bild ›etwas‹ zeigen muss - zumal, wenn es einen allzu vertraut klingenden Titel trägt -, dann aber nicht nur dieses ›Etwas‹ vermissen lässt, sondern, sich gleichsam aktiv verweigernd, die Kehrseite eines Bildes präsentiert, die als solche auch ein ›Etwas‹ ist. Dieses Spiel mit und die verweigerte Einlösung von Erwartungen irritiert zunächst. Erst dann wird deutlich, dass Irritation einmal mehr geeignet ist, Rezeptionserfahrungen bewusst zu machen, zu hinterfragen und im konstruktivistischen Sinne ideosynkratisch umzudeuten. Diese naturgemäße Ideosynkrasie wiederum ist Grundlage für Kommunikation, für das Aushandeln von Bedeutung.


SONNENBLUME IN DER PROVENCE - Ölmalerei/Baumwolle, Ø 50 cm, 2014 - € -

Assoziationen

Der Betrachter wird, hat er das Dargebotene als Rückseite akzeptiert, unvermittelt sein mentales Augenmerk auf die Vorderseite, das ›wirkliche‹ Bild, das verborgene Motiv, richten. Drei Gestaltungsmerkmale der Serie fördern dies und locken geradezu in diese Richtung:
  • Zum einen tragen alle Bilder der Serie Titel, die aufgrund ihrer gezielt klischeehaften Bezeichnung unwillkürlich Assoziationen hervorrufen, die hochgradig konsensfähig ausfallen dürften: Ein Titel wie SONNENBLUME IN DER PROVENCE oder DIE GROSSE WELLE nötigen den Betrachter förmlich dazu, an die Konfektions-›Kunst‹ zu denken, die in Möbelhäusern oder Postershops feilgeboten wird. Die Erwartung wirkt und wird massiv fokussiert … und doch gleichzeitig verwehrt.
  • Zum anderen erkennt der Betrachter am umspannten Rand der Keilrahmen ummalte Partien, die seine Erwartung, dass auf der vermeintlichen Vorderseite das ›eigentliche‹ Motiv zu finden sei, zu bestätigen scheinen. Erneut eine enttäuschte Illusion , so sehr die Farbgestaltung auch an dieses Motiv glauben macht: die Blau-Reste der Welle, die Gelb-Reste der Sonnenblume, die Rot-Reste beim Mohn …

MOHN - Ölmalerei auf Baumwolle, 10 x 10 cm, 2014 - € -
  • Und nicht zuletzt lockt und spielt das Bild-Format mit den Erwartungen: ›Natürlich‹ fügen sich kreisrundes Bild und der Titel SONNENBLUME IN DER PROVENCE ebenso zueinander wie das extreme Hochformat mit dem Titel ZYPRESSE IN DER TOSKANA.


TULPE - Ölmalerei auf Baumwolle, 24 x 18 cm, 2014 - € -



         
CALLA                                                      ZYPRESSE
Ölmalerei auf Baumwolle, 50 x 20 cm bzw. 90 x 30 cm, 2014 - € -